Tesco und der virtuelle Supermarkt

Im meinem letzten Artikel habe ich über unterschiedlichste Trends im Online Marketing, Social Media und in den Medien berichtet. Aber woher kommen diese Informationen? Wer sagt uns, was sich im kommenden Jahr oder gar in den anstehenden fünf Jahren für Techniken am Markt etablieren und welche neuen Trends sich entwickeln werden? Da hilft oft ein Blick über den Tellerrand. Was Social Media angeht sind die Amerikaner hier immer noch das Maß der Dinge. Was aber die Möglichkeiten der Smartphone Nutzung betrifft, steht Asien ganz hoch im Kurs. Die Technikbegeisterung ist in diesem Teil der Erde besonders hoch. In Südkorea hat von ca. 50 Millionen Menschen beispielsweise jeder fünfte ein Smartphone, 99% verfügen über einen Breitbandanschluss. Und aus diesem Land möchte ich Ihnen heute eine faszinierende Geschichte erzählen, die schon fast einem Märchen gleicht.

Tesco und das QR-Code Märchen

QR-Codes: Einkaufen in der MetroPassend zu Weihnachten beginnen wir also mit: Es war einmal eine britische Supermarktkette, die in Südkorea die Nummer 1 werden wollte. Tesco war der Name, in Südkorea heißt sie Home Plus. Den größten Marktanteil hatte hier bislang die Firma E-Mart, die deutlich mehr Filialen besitzt. Doch auch in Südkorea ist Platz ein knappes Gut und so konnte Home Plus nicht einfach in den stationären Handel investieren. Es musste eine andere Lösung gefunden werden: Wie werde ich die Nummer 1, ohne die Anzahl der Filialen erhöhen zu müssen?

Die Antwort war einfach. Home Plus brachte den Supermarkt zu seinen Kunden und erleichterte so den hart arbeitenden Koreanern den Alltag erheblich. An den Metro-Stationen wurden einfach die komplett abfotografierten Regale eines Supermarktes an die Wand geklebt. Zu jedem Produkt wurde ein QR-Code hinzugefügt, den der Käufer mit seinem Smartphone einscannen kann. Mobiles Tagging über QR-Code ist in Südkorea weit verbreitet und so wurde die Kampagne ein voller Erfolg. Bezahlt wird ebenfalls mit dem Smartphone. Um den Einkaufsstress der arbeitenden Bevölkerung weiter zu mindern, werden die bestellten Waren innerhalb weniger Stunden direkt an die Haustür geliefert.

Der virtuelle Supermärkt – eine Erfolgsstory

Die Zahl der registrierten Nutzer nahm um 76% zu, der Online-Umsatz konnte gar um 130% gesteigert werden. Home Plus wurde mit ihren Metro Supermärkten so in kurzer Zeit der größte Anbieter im Online-Handel und gleichzeitig konnte zumindest der Abstand zu E-Mart im Ladengeschäft verringert werden.

Beim diesjährigen Werbefilmfestival in Cannes wurde der Werbespot zum virtuellen Supermarkt mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Eine ähnliche Kampagne hatte der Konzern bereits angewandt, um auf die Neueröffnung eines realen Supermarktes in Seoul hinzuweisen. Auch hier wurden in einer naheliegenden Metrostation die Wände und Säulen als Fototapete mit allen Regalen gestaltet. Zwar konnte man hier noch nicht per QR-Code einkaufen, der Erfolg der Aktion war aber enorm und hat somit wohl bereits die Grundidee für den virtuellen Supermarkt gelegt.

Was sind QR-Codes?

Nähere Informationen über QR-Codes finden Sie in beiden folgenden Artikeln:
QR Code und QR-Code – Teil 2.

Der stationäre Handel profitiert vom Onlinehandel

Der Onlinehandel nimmt den Geschäften Kunden weg, ist immer noch die Meinung vieler Einzelhändler. Aber nicht nur Tesco hat mit seiner Kampagne das Gegenteil bewiesen. Auch in Deutschland wurde diese Vorurteil durch die Studie „The Retail Revolution“ der Agentur Interone widerlegt.

Der Kunde möchte dort einkaufen, zu dem Zeitpunkt einkaufen, an dem das Kaufbedürfnis entsteht und dann dort, wo er sich gerade aufhält. Er differenziert beim Einkaufen nicht zwischen offline und online. Ein Unterschied ist lediglich im Bereich Information zu sehen. Der gut informierte Käufer ist eher bereit online zu kaufen, während der Beratung suchende Käufer eher den stationären Handel aufsucht.

Um noch einmal auf das Tesco Märchen zurückzukommen: Im Moment scheint so etwas in Deutschland nicht möglich zu sein. Wir hinken, was den Verkauf von Lebensmitteln über das Web angeht, deutlich hinter anderen europäischen Ländern, wie Frankreich, aber auch den USA oder Japan hinterher.

Lediglich Delikatessen, Wein, Champagner und Gewürze, also häufig Produkte, die der Handel in besonderer Qualität nicht im Sortiment hat, werden online bestellt.

Aber eine positive Erkenntnis liefert die Studie für den Lebensmittelhandel doch: Onlineshopping von Lebensmittel hat inzwischen zumindest den Einkauf am Kiosk und der Tankstelle überholt.

Europäischer Trend: „Drive-in Einkaufen“

In Schweden und Frankreich hat sich in letzter Zeit ein neuer Einkaufstrend durchgesetzt: Das Drive-in Einkaufen. Bestellt werden die Lebensmittel online und können abends nach der Arbeit bereits fertig zusammengestellt abgeholt werden. Oder der Kunde kauft im Laden und lässt sich die Ware zu einem vereinbarten Zeitpunkt nach Hause liefern.

Eine etwas andere Strategie verfolgt das Startup Kochhaus.de. Hier kann der Verbraucher Rezepte inklusive der abgewogenen Zutaten bestellen und sich liefern lassen oder in der Berliner Filiale selbst abholen.

Aber bis wir in der U-Bahn per QR-Code einkaufen können wird wohl noch ein Weilchen vergehen.

Kai-Uwe Gutsch
(Follow Me – Der Social Media und Online Marketing Blog)

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