Nespresso – Virales Marketing: Keine Schandtat bleibt geheim!


Im PR-Bereich heißt es „tue Gutes und sprich darüber“, im viralen Marketing laufen die Uhren inzwischen anders: „tue schlechtes und wir machen darauf aufmerksam“ ist der neue Trend im Web. Nestle, VW und Dove wurden bereits von Greenpeace vorgeführt. Das neueste Opfer ist brandaktuell Nespresso, wieder eine Tochtergesellschaft der Firma Nestle.

Nespresso und der Öko Touch

Über 600 Millionen Euro setzt der Schweizer Konzern mit Nespresso allein mit Kaffeekapseln um. Mit geschicktem Marketing, George Clooney als Saubermann und einem vorgetäuschten Öko-Touch , sollte ein positives Image nach außen getragen werden. Mit Kaffee-Boutiquen und dem dazugehörigen Luxus-Marketing wird dem Kunden zusätzlich eine Kaffeeerlebniswelt geboten. Der Kunde kann sich also entspannt zurücklehnen und genießen. Doch plötzlich steht der Schweizer Konzern schon wieder in den Negativschlagzeilen.

Denn mit dem Ökogedanken, der einem auch auf der firmeneigenen Webseite suggeriert wird, ist es nicht sonderlich weit her. Ein interessanter Artikel hierzu findet sich auf welt.de. Fair Trade gibt es bei Nestle wohl nur in der Werbung.

Nesspresso Fake Spot George Clooney

George Clooney Fake Spot aus der Schweiz

Solidar Suisse, eine Webplattform des Schweizerischen Arbeiterhilfswerk SAH, geht nun mit einer eigenen Kampagne gegen das fehlende Fair Trade Verhalten Nespressos vor. Von Nestle fordert man die Umstellung des Nespresso-Sortiments auf fair gehandelten Kaffee, ein Anbieten von fair gehandelten Kaffee in allen Produktlinien und ein Stopp von PR-Aktionen, die dem Konsumenten suggerieren, dass Nestle sich für dieses Thema einsetzt.

Auf der Webseite hat man die Möglichkeit eine Nachricht an George Clooney zu schreiben, der sich als UNO-Botschafter für eine gerechtere Welt einsetzt, aber gleichzeitig der Hauptwerbeträger von Nespresso ist.

Bereits über 15.500 Mails wurden an den Schauspieler verschickt.

Schreiben Sie George Clooney

„Lieber George, …du setzt dich als UNO-Botschafter für eine gerechtere Welt ein. Das ist toll. Darum ist es dir sicher auch ein Dorn im Auge, dass Nestlé nichts gegen die Ausbeutung von Kaffeepflücke-
rInnen unternimmt. Ich bitte dich deshalb, Nestlé vor die Wahl zu stellen: Entweder fair gehandelter Kaffee oder kein George Clooney mehr in den Nespresso-Werbespots.

Virales Marketing per YouTube

Der dazugehörige knapp 45 Sekunden dauernde Spot ist erst vor ein paar Tagen auf YouTube platziert worden, aber schon über 100.000 Mal geklickt. Alleine innerhalb von vier Stunden eines Vormittags gab es mehr als 5.000 Klicks.

Auch das Fernsehen hat den Clip inzwischen entdeckt. Im ZDF-Frühstücksfernsehen wurde über den Aufruf der Schweizer berichtet und der Spot gesendet.

Virales Marketing – Mit der richtigen Idee zum Selbstläufer

Solar Suisse zeigt hier, wie virales Marketing erfolgreich funktioniert. Die Kampagne lebt von der witzigen Idee. Und nachdem sie Wert ist, weiter erzählt zu werden, wurde sie zum Selbstläufer.

Gespannt sein darf man auf die Reaktion von Nestle. Nach der Greenpeace Schelte von Kitkat hat man alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Das Löschen des Spots bei YouTube, das Einschalten von Anwälten, usw. Nur eine Erklärung, die den Konsumenten überzeugt hätte, blieb aus.

Sinnvoll wäre es für den Konzern generell den Umgang mit der Umwelt und seinen Zulieferern zu überdenken. Schließlich könnte man so auch weitere virale Attacken vermeiden. Aber ob die Schweizer sich dazu durchringen können?

Kai-Uwe Gutsch
(Follow Me – Der Social Media und Online Marketing Blog)

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  1. #1 von Charlotte Merz am 9. September 2011 - 09:23

    Hier unsere Ergänzung zum Artikel: Wie fair tradet Nespresso Kaffee? Krisenkommunikation in den Social Media http://bit.ly/qWmSae

(wird nicht veröffentlicht)