Soziale Netzwerke – Ein Blick über den Tellerrand (Teil 2 Diaspora*)


Die Vorurteile gegenüber Facebook sind speziell in Deutschland immens. In Sachen Datenschutz und Datensicherheit hat der US Riese schlicht und einfach eine andere Auffassung, wie viele User hierzulande. Mit mehr Kontrolle über die eigene Privatsphäre zu punkten, versucht z.B. Diaspora*.

Als sogenanntes Peer-to-Peer-Netzwerk, also sozusagen eine Community der Gleichberechtigten, startete Diaspora* bereits im April 2010 mit viel Brimborium. Der Tagesspiegel sprach von einem Anti-Facebook, auf Technology Review wurde bereits ein Abgesang mit „Bye-bye Facebook“ geschrieben.

Wie unterscheidet sich Diaspora* von Facebook? Zuerst einmal mit einer Open Source Politik. Die Software von Diaspora* ist frei und der Code steht jedem User zur Verfügung. Der zweite Punkt ist der Besitz der eigenen Daten. Persönliche Daten werden nur an den weitergegeben, für den sie bestimmt sind.

Der * in Diaspora* steht übrigens für eine Pusteblume. Der Name selbst bedeutet so viel wie „verstreut leben“.

joindiaspora.com – The Creative Community

“Meet people from all over the world who love the Internet and want to see it free as much as you do.”

Diaspora* - Facebook Konkurrenz?

Was ist aber das Besondere an Diaspora* ? Der Leistungsumfang mit schwarzem Brett, Chatmöglichkeit, usw. ist es nicht. Der Unterschied zu Facebook & Co. ist eine dezentrale Struktur, die dafür sorgen soll, dass jeder Anwender seine persönlichen Daten auf einem eigenen Webserver, einem sogenannten „pod“, ablegt und somit auch die Kontrolle über diese behält.

Wenn Sie sich also bei Diaspora* anmelden wollen, müssen Sie entweder einen eigenen Pod auf Ihrem Server einrichten – dann haben Sie die komplette Datenkontrolle – oder Sie richten sich ein Konto bei einem öffentlichen Pod ein – dann sind Sie allerdings auf den vertrauensvollen Umgang des Pod Besitzers angewiesen.

Wenn Sie einmal angemeldet sind, ähnelt der Aufbau von Diaspora* stark an Google+ und ist weniger überfrachtet als Facebook. Sie entscheiden, mit wem Sie Ihre Beiträge teilen. Hier wird lediglich von „Aspects“ statt von „Circles“ gesprochen. Aspects sind Gruppen, denen man seine Kontakte zuordnen kann: Freunde, Familie, Kollegen, etc. Auch eine „Gefällt-mir“ Funktion ist vorhanden und das Teilen von Fotos ist ebenfalls Bestandteil des Netzwerkes.

Wie alles bei Diaspora* begann

Gegründet wurde das Projekt von den vier New Yorker Mathematikstudenten Dan Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirskiy, nachdem diese im Februar 2010 eine Vorlesung über die Bedrohung der Privatsphäre durch kommerzielle Internetdienste gehört hatten.

Am 24. April 2010 wurde das Projekt auf der Plattform Kickstarter angekündigt und konnte ein erstes Spendenziel von 10.000 US-Dollar bereits nach 12 Tagen erreichen. Diaspora wurde zum erfolgreichsten Kickstarter-Projekt bisher. In den darauffolgenden Wochen wurden über 200.000 US-Dollar von fast 6.500 Spendern eingenommen. Einer der Spender, sollte nach Angaben der vier Studenten, Facebook Gründer Mark Zuckerberg höchstpersönlich gewesen sein.

Mit einem guten Startkapital ausgestattet, entwickelten die Studenten einen Prototyp, der Ende November 2010 in einer Alpha-Version veröffentlicht wurde.

Kurz vor dem Start der öffentlichen Beta-Phase verstarb am 12. November 2011 Ilya Zhitomirskiy, im Alter von nur 22 Jahren. Dies ist allerdings nur ein Grund, warum sich die Beta-Phase weiterhin verzögerte. Sicherheitslücken und nur langsame Entwicklungsfortschritte sorgten für negative Schlagzeilen. Diaspora* kam ins stocken.

Fazit: Einsam in Diaspora*

Diaspora gibt es jetzt seit April 2010 und trotzdem nutzen bisher lediglich 400.000 Mitglieder weltweit den Dienst. Man kann sich also durchaus einsam in Diaspora* fühlen. Aber die wenigen Mitglieder sind nur das eine Problem. Der zweite Punkt ist die Frage: Wie finde ich überhaupt Kontakte, wenn die Daten der Mitglieder nicht öffentlich zugänglich sind? Zu diesem Thema hat Caspar Clemens Mierau auf seinem Blog leitmedium.de einen interessanten Beitrag verfasst, indem er die berechtigte These aufstellt, dass ein „anti-soziales Netzwerk nicht funktionieren kann.“

Die neueste Meldung stammt schließlich vom 27. August 2012. Da gaben die Diaspora Gründer bekannt, den Code zu öffnen und der Community in die Hände zu geben. Ob Diaspora* so noch einmal durchstarten kann, wage ich zu bezweifeln. Google + wächst nach eigenen Angaben täglich um ca. 625.000 User. 100 Diaspora Server und ca. 400.000 Mitglieder insgesamt, sagen eigentlich bereits alles. Eine kritische Masse konnte jetzt seit über zwei Jahren nicht erreicht werden.

Zwar konnte man noch Mitte 2012 bekanntgeben, in dem Startup-Incubator „Y Combinator“ einen neuen Förderer gewonnen zu haben, aber wenn man sich auf dem Blog von Diaspora* umsieht, merkt man, dass die Gründer inzwischen mit ganz anderen Projekten beschäftigt sind – z.B. makro.io. Dass man sich auf der Startseite dieses Meme Generators auch noch mit Facebook einloggen kann, spricht nicht gerade für die Glaubwürdigkeit des Diaspora* Teams.

Es gibt allerdings durchaus noch weitere Communities, die dem Prinzip eines verteilten sozialen Netzwerks mit einer einfacheren Userbility nachgehen. Das Beispiel „friendica“ möchte ich im nächsten Artikel näher vorstellen. Denn der Gedanke, dass Thema Datenschutz in den Vordergrund zu stellen, sollte gerade in Deutschland durchaus ein entscheidender Grund sein, um über einen Wechsel des sozialen Netzwerkes nachzudenken.

Kai-Uwe Gutsch
(Follow Me – Der Social Media und Online Marketing Blog)

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