Die Frauen WM 2011 im Zeichen von Social Media

Seit Sonntag ist es soweit. Der WM-Ball rollt wieder in den deutschen Stadien. Nach dem dritten Platz der Männer 2006, wollen die Damen nun das Sommermärchen vollenden und den Titel im eigenen Lande holen. Mit einem 2 – 1 Sieg im Eröffnungsspiel gegen Kanada sind sie ihren Ansprüchen durchaus gerecht geworden.

Neben dem sportlichen Aspekt, interessiert mich diesmal aber auch besonders das Thema Social Media. Wie vermarktet sich die deutsche Damennationalmannschaft und wie wird die WM in den sozialen Netzwerken dargestellt?

Soziale Netzwerke im Sportbereich

Bereits vor einigen Wochen erschien in der Süddeutschen Zeitung ein interessanter Artikel: Bayerns Spitzenvereine umwerben Ihre Fans in sozialen Netzwerken – mit unterschiedlichem Erfolg.

Facebook & Co. sind inzwischen in den Marketingkonzepten von Sportvereinen nicht mehr wegzudenken. Ob Fußball, Eishockey oder Basketball, nicht nur jeder professionelle Verein ist inzwischen mit eigener Facebook- und Twitterseite am Start.

Der FC Bayern liegt hier deutschlandweit mit 1,3-Millionen-Fans deutlich an der Spitze. Die Bundesliga-Volleyballerinnen aus Vilsbiburg lagen zum gleichen Zeitpunkt z.B. dagegen bei 537 Facebook Followern. Und um noch einmal zum Fußball zurückzukommen: Die Münchner Löwen brachten es auf 31.000 Fans.

Je mehr Fans ein Verein im realen Leben hat, desto größer ist natürlich auch das Potential in den sozialen Netzwerken. Aber man muss auch etwas dafür tun. Der FC Bayern investiert mit einem festangestellten Fachmann und einigen Zuarbeitern verstärkt in die neuen Medien.

Allerdings haben auch die Bayern durchaus noch Ausbaupotential. Im internationalen Vergleich geben andere Vereine den Ton an. Manchester United beispielsweise mit nahezu 14 Millionen Fans.

Der Fußball ist also inzwischen voll infiziert von den Möglichkeiten im Social Media. Und wie sieht es dann bei den deutschen Mädels aus?

Frauen WM – international pfui, national hui!

Auf der FIFA Seite ist das Thema Social Media und Frauen WM völlige Fehlanzeige. Kein Facebookauftritt, kein Twitteraccount. Mit einem 75jährigen Joseph Blatter an der Spitze auch kein Wunder? Wohl war. Noch dazu beruht Social Media auf Authentizität, Offenheit und Kommunikation mit den Fans. Das ist nicht wirklich das FIFA Metier.

Ganz anders dagegen der deutsche Fußballbund. Unter dem Motto „Sommermärchen reloaded“ wird auf Facebook für unsere Mädels heftig geworben. Bereits im Vorfeld der WM fanden Fans hier sämtliche wichtigen Informationen über Spielerinnen, Stadien und Möglichkeiten der freiwilligen Hilfe.

Auch viele Stars der Mannschaft sind auf Facebook bereits mit eigenen Seiten vertreten. So kann Fatmire Bajramaj immerhin auf fast 26.000 Fans verweisen. Mit Birgit Prinz oder Alexandra Popp ebenso wie Nadine Angerer sind auch viele Nationalmannschaftskolleginnen bereits in Facebook aktiv.

Bajramaj zeigt auf ihrer Seite besonders gut, wie man Social Media effektiv einsetzt. Gemeinsam mit Ihrem Ausrüster Nike wurde eine Kampagne kreiert, in der Fans die Möglichkeit hatten, Design Ideen für die Fußballschuhe ihres Stars bei der WM zu entwickeln. Die Resonanz war groß und es gingen hunderte Vorschläge ein, die im Netz heiß diskutiert wurden.

Nike Spot mit Lira BajramajNike geht für die Frauen WM in Deutschland noch einen Schritt weiter. Neben Bajramj steht auch Mesut Özil bei den Amerikanern unter Vertrag. Mit über 2.6 Millionen Fans ein gewaltiges Potential, dass hier geschickt für die Frauen WM eingesetzt wird. Özil kommentiert regelmäßig die Spiele von Bajramaj und umgekehrt. Das Konzept geht auf. Bis zu 10.000 Likes bekommt Özil für seine Posts.

Um die Facebook Seiten noch populärer zu machen, wurde ein Doppel-Clip für YouTube gedreht (Nicht schlecht: Mesut Özil und Nicht schlecht: Lira Bajramaj).
Mit über 570.000, bzw. 330.000 Klicks wirklich „nicht schlecht“.

Social Media ist also im Fußball angekommen. Aber wenn man den Vergleich zwischen FIFA, Deutschen Fußballbund und Nike zieht, sieht man klar, dass die Sportverbände von dem Sportartikelhersteller noch jede Menge lernen können. Die Frauen WM profitiert jedenfalls extrem von Nike.

Morgen steht das Spiel gegen Nigeria auf dem Programm – live in der ARD um 20.45 Uhr. Mit einem Sieg steht die Mannschaft bereits vorzeitig im Viertelfinale. Da bleibt mir doch nur beide Daumen zu drücken. Vielleicht klappt es ja mit dem Sommermärchen reloaded – denn dritte Plätze sind ja schließlich nur etwas für Männer.

Kai-Uwe Gutsch
(Follow Me – Der Social Media und Online Marketing Blog)